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Zum
Geleit
Den Menschen zur Seite...
"Sozialer Fortschritt" muss das Ziel
sein
Es bestreitet niemand, dass Reformen unseres Sozialwesens
nötig bzw. überfällig sind. Vor dem Hintergrund jedoch, dass
sich die Arbeitslosigkeit ständig erhöht und die Leistungen
für Arbeitslose und sozial Schwache gekürzt werden, ist die
Art und Weise der jetzt beschlossenen Reformen schwer
nachvollziehbar.
Fördern und fordern ist die Devise der derzeit angeschobenen
Veränderungen. Wir weisen darauf hin, dass in vielen Gebieten
der Bundesrepublik die Unterstellung "Arbeitslose wären
zu wenig gefordert worden" meist nicht stimmt. Wenn
flächendeckend hunderttausende von Arbeitsplätzen auch in
den klassischen Dienstleistungsbereichen abgebaut werden,
erscheinen solche Forderungen sinnlos. Was bewegt Politiker,
Arbeitslose mehr unter Druck zu setzen? Der größte Teil
von ihnen leidet schon jetzt unter der Situation der Ausgrenzung
durch Arbeitslosigkeit.
Die Reorganisation der Arbeitsverwaltung wird das strukturelle
Arbeitsplatzdefizit in unserer Gesellschaft nicht überwinden.
Beschäftigungs- und
Qualifizierungsinitiativen und
-gesellschaften haben im Lauf
der Jahre ein großes Know How
erworben. Sie sind nun in ihrer
Existenz bedroht. Die entstandene
soziale Infrastruktur darf nicht zerschlagen werden, sondern
muss genutzt werden.
Die sich abzeichnenden politischen Initiativen werden in
einem Niedriglohnsektor münden. Deshalb stellt ein Evangelischer
Arbeitskreis in Herne die richtigen Fragen an die
Politik.
- Wovon sollen die Menschen in diesem Sektor leben?
- Auf welcher ethischen Grundlage wird ein Niedriglohnsektor
für einen Teil unserer Gesellschaft gefordert?
Die Bundesrepublik Deutschland ist eine der leistungsstärksten
Volkswirtschaften weltweit.
- Es muss möglich sein, jedem Bürger im arbeitsfähigen
Alter eine sinnvolle und menschenwürdige Arbeit mit entsprechendem
Einkommen anzubieten.
- Wie lässt sich der enorme technische Fortschritt der vergangenen
Jahrzehnte, der zum Abbau von hunderttausenden
Arbeitsplätzen und zu einer Steigerung der Produktivität
geführt hat, endlich in sozialen Fortschritt übersetzen?
Sozialer Fortschritt bedeutet auch:
- dass junge Menschen eine gute zukunftsfähige Ausbildung
in Schule und Beruf erhalten.
- arbeitslose Mitbürger wieder in unsere Gesellschaft integrieren.
- dass kranken Menschen die nötige Hilfe zu Teil wird, auch
wenn sie alt sind.
- dass alten Menschen ein Lebensabend in Würde ermöglicht
wird, auch wenn sie krank sind.
Unsere Gesellschaft entfernt sich zunehmend von einer
reinen Produktionsgesellschaft zu einer Dienstleistungsgesellschaft.
Somit ist das erzielte Einkommen der Menschen
immer seltener von Produkten abhängig. Unser Sozialsystem
allerdings basiert immer noch auf den Einkommen der abhängig
Beschäftigten. Dass dies mittelfristig nicht mehr funktionieren
kann wird schnell deutlich. Es ist die Forderung aufzustellen,
auch kapitalintensive Betriebe mit wenig Menpower
an der Finanzierung unserer Sozialsysteme zu beteiligen. Es
stehen Mittel und Methoden zur Verfügung, z.B. die Kapitalertragssteuer,
die jedoch in unserem Land nicht offensiv
diskutiert werden.
Um den Kollaps unseres Sozialsystems zu verhindern, müssen
neue Wege gefunden werden, wie die Überschüsse unserer
Wirtschaft wieder den Menschen unseres Landes zugute
kommen und nicht auf "globalisierten" Wegen ins Ausland
fließen.
Politiker sind von
Menschen gewählt,
nicht vom Kapital |
Dies hat nichts mit Sozialismus
zu tun, sondern mit einer
sozialen Marktwirtschaft.
Denn was ist sozial an einer
Marktwirtschaft, wenn sich
Unternehmer bzw. Entscheider in Unternehmen in keinster
Weise mehr für das Gemeinwohl einer Gesellschaft verantwortlich
fühlen. Wir befürchten, dass Appelle diesbezüglich
nicht reichen werden, sondern auch der Gesetzgeber aktiv
werden muss. Wir erinnern die Politiker aller Parteien daran,
dass sie von unseren Menschen gewählt worden sind und
diese erwarten, dass ihre Sorgen, Nöte und Ängste von diesen
Vertretern bearbeitet werden.
Wir warnen dringend davor die Situation zu unterschätzen und
befürchten ein widersinniges Verhalten einiger Gruppen
unserer Gesellschaft. Die soziale Marktwirtschaft des Ludwig
Erhardt funktioniert nur, wenn der soziale Frieden durch
der Bevölkerung verständliche Einkommensunterschiede
gewahrt bleibt.
Brunhild Bald
Bundesvorsitzende des BVEA
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