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Arbeitsmarkt
40 Stunden und mehr oder Flucht aus Deutschland
Ist das die Lösung oder der falsche Weg?
Unter dieser Überschrift und Meinung verkünden
Konservative, Arbeitgeber und Neoliberale den neuen guten
Weg, der Deutschland aus der Krise führen soll.
Weiterhin stellt man fest, dass die 35-Stunden-Woche ein Irrweg war.
Dabei waren alle Ergebnisse in der jahrzehntelangen
Tarifgeschichte immer Kompromisse zwischen
Arbeitgebern und Gewerkschaften, die weder dem sozialen Klima
noch der Wirtschaft geschadet haben.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es einigen
Unternehmen nicht mehr so gut geht wie in der Vergangenheit.
Die Meinung, dass eine Arbeitszeit von 40 und mehr Stunden
alle Probleme löst, hält jedoch einer differenzierten bzw.
detaillierten Betrachtung nicht stand. Lt. Statistischem
Bundesamt arbeiten schon jetzt die Bundesbürger im Durchschnitt
39 Stunden/Woche, bei unverändert hoher Produktivität.
| Betriebsräte und Gewerkschaften
werden erpresst |
Ausgelöst wurde die Diskussion beispielsweise
beim größten deutschen Elektrokonzern Siemens (400
weitere möchten folgen), in dem Betriebsrat und Gewerkschaften
vor die Alternative gestellt wurden, entweder im Konzern
generell die 40-Stunden-Woche, ohne Lohnausgleich, einzuführen
oder 4000 Arbeitsplätze nach Rumänien bzw. andere Niedriglohnländer zu verlagern.
Für die Betriebsräte und Gewerkschaften ist das
schon eine große Herausforderung.
Nein, hier geraten die soziale Marktwirtschaft und
auch die Tarifautonomie in eine gefährliche Schieflage zu
Gunsten noch höherer Wirtschaftserträge. Genau so macht es
wenig Sinn, in einem Land mit einer an der Spitze stehenden
Produktivität mit den Billiglohnländern in Osteuropa und
China zu konkurrieren, in denen die menschliche Arbeitskraft
zum Teil veraltete Produktionsanlagen kompensiert.
Eigentlich wäre volkswirtschaftlich der umgekehrte
Weg richtig, mit den hochwertigen Produktionsanlagen in
weniger Arbeitszeit mehr hochwertige Produkte zu erzeugen
und dabei gleichzeitig über die Mangelware Arbeit
nachzudenken bzw. über eine Neuverteilung (wie es z. B. bei VW mit
Erfolg praktiziert wird).
Wenn weiterhin in den bis jetzt bekannten
Größenordnungen in Deutschland Arbeitsplätze zu Lasten der
Allgemeinheit abgebaut werden, wird die Binnennachfrage und
Kaufzurückhaltung der Bürger/Innen noch größer.
Tarifpolitisch sind deshalb Maßnahmen wie die Einführung der 40
Stunden mit den verantwortungsbewussten deutschen
Gewerkschaften ohne große Beschädigung der Tarifautonomie durchführbar.
Volkswirtschaftlich bleibt dabei nur eine
kurzfristige Augenwischerei übrig, die in keiner Weise einen
dauerhaften Aufschwung entstehen lässt.
Nur Gemeinsamkeit und Besinnung auf das, was uns
wieder an die Weltspitze bringt, Förderung von Bildung
und Ausbildung, Forschung und Entwicklung zur Erzeugung
von Qualitätsprodukten, lässt die Bundesrepublik mit den
Billiglohnländern auf Dauer konkurrieren, nur man sollte
endlich damit beginnen.
Werner Künkler
Landesverbandsvorsitzender EAB Nordrhein-Westfalen
EAB NRW
Evangelische Arbeitnehmer - Bewegung NRW
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