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Zum Geleit

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir kommen aus dem Staunen über das, was uns von unserer Regierung und Opposition
als Reformen vorgelegt wird, nicht mehr heraus. Nun sollen wir also alle wieder
länger arbeiten, nicht nur Wochenarbeitsstunden, sondern auch die Lebensarbeitszeit
wird verlängert.
Eine notwendige Maßnahme, aber wofür?
Sollen die Bürger weniger Jahre Rente bekommen? Kostensenkung in öffentlichen
Kassen? Das scheint wirklich notwendig - aber mit diesen Maßnahmen? Das versteht
niemand. Wenn Menschen, die im Erwerbsleben stehen, länger an ihrem Arbeitsplatz
sind, ob in der Woche oder eben, wie geplant bis sie 68 sind, brauchen wir weniger
Arbeitnehmer/innen, d. h. auch weniger, die in die Sozialkassen einzahlen. Hinzu
kommt, dass jungen Arbeitnehmer/innen der Zugang zur Erwerbsarbeit noch weiter
erschwert wird. Und eigentlich war diese Regierung, und nicht nur diese, angetreten,
die Arbeitslosenzahl zu halbieren. Wir alle wissen längst, dass wir davon weiter
entfernt sind denn je.
| Die Mechanismen funktionieren nicht mehr
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Bereits Herr Kohl hatte seinerzeit, als er 1982 Bundeskanzler wurde, versprochen,
den untragbaren Zustand von einer Million Arbeitslosen zu ändern, nämlich zu
halbieren. Das sei untragbar für eine Demokratie. Ende 2003 hatten wir fünf
Millionen Arbeitslose. Von der Halbierung dieser Zahl sind wir Lichtjahre entfernt.
Es funktioniert nicht mehr wie früher, dass Investitionen des Staates und
Subventionen für die Wirtschaft und damit das Risiko einer steigenden Inflation,
auch Arbeitsplätze bedeuten.
Eigentlich haben wir "Nichtregierenden" längst begriffen, dass die Wirtschaft
zwar gerne unser Steueraufkommen in Form von Subventionen annimmt, auch mit
dem Versprechen Arbeitsplätze zu schaffen oder zu sichern, aber letztendlich
fließt das Geld in andere Taschen oder auch andere Länder. Und Unternehmer finden
unerträglich, dass auch sie z. B. Erbschaftssteuern zahlen und einen Beitrag
leisten sollen für diese Gemeinschaft, in der sie und von der sie leben. Fragen
nach Ethik oder Moral sind fehl am Platz für sie.
Auch wenn es um die Einkommen unserer Manager in Top-Positionen geht, kann
bei den meisten Moral nicht im Spiel sein. Es ist ja einzusehen, dass diese
Positionen gut dotiert sein sollen. Und vielleicht wäre ja auch z. B. das Dreifache
eines Durchschnittseinkommens eines Bundesbürgers angebracht. Aber die Selbstbedienungsmentalität
der Vorstände in die Kassen der Firmen (von denen wir es erfahren) ist unfassbar.
Der Schrei nach der Senkung der Lohnnebenkosten ist allgegenwärtig und vielleicht
auch notwendig.
| Verantwortung unter ethisch moralischen Gesichtpunkten
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Aber solange wir von Millionengehältern oder -abfindungen in für normale
Arbeitnehmer unvorstellbaren Höhen hören, fehlt mir jedes Verständnis. Wie eine
Ohrfeige muss das denjenigen vorkommen, die gerade von solchen Managern wegrationalisiert
worden sind _ ihre Arbeitsplätze ins Ausland verlagert wurden oder der Standort
leider geschlossen wurde. Von Shareholder value wissen wir, dass nur der ein
guter Manager ist, der Arbeitsplätze vernichtet. Die darauf folgenden steigenden
Börsenkurse führen uns das immer wieder vor Augen.
Was wir von den Entscheidenden in der Regierung und in den Unternehmensspitzen
brauchen, sind Diskussionen über Verantwortung unter ethisch moralischen Gesichtspunkten,
die unser Land geprägt haben. Leistung soll honoriert werden. Aber was tun die,
die gerne Leistung erbringen würden, aber durch so viele Fehlentscheidungen
daran gehindert werden?
Willkommen für unsere zehn neuen Mitgliedsländer in der EU - in der sozialen
Marktwirtschaft! Ob es auch zu ihrem Besten ist?
Brunhild Bald
Bundesvorsitzende des BVEA
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