Politik
Tanz der Rotstifte
Die evangelischen Sozialsekretäre sehen im Rückspiegel ihre neue Zukunft
Auf rund 70 Seiten beeindruckt die Arbeitsgemeinschaft der evangelischen
Sozialsekretäre (ASS) mit ihrer 50jährigen Tätigkeit in den evangelischen Landeskirchen.
Die Broschüre erschien Anfang Dezember 2003. Der evangelische Weg zur industriellen
Arbeiterschaft, er begann Ende der 40er Jahre des vorigen Jahrhunderts, ist
an sein Ende gekommen.
In der aufkommenden Wissens- und Info-Gesellschaft müssen andere Instrumente
und Wege erprobt werden. Frauen und Männer als Mobbing-Berater, z.B. für Betriebe
und Krankenkassen. Laien mit Berufserfahrung als ehrenamtlich tätige Sozialsekretäre.
Wegen der möglichen flexiblen Arbeitszeit richtet sich die Aufmerksamkeit auf
selbstständig Tätige, auf Schichtarbeiter, aber auch auf Rentner.
 |
| Ansprechpartner: Frau H. Kipping, Evangelische Sozialakademie,
Schlossstraße 2, 57520 Friedewald/Westerwald |
In den Landeskirchen tanzen die Rotstifte, ab 2005 werden die großen Sparschritte
Wirkung zeigen. Proteste riefen sie schon jetzt hervor. Trotz der riesigen Immobilien
der Kirchen, blieben die Finanzausschüsse hart, auch die hohen Pensionen müssen
bezahlt werden.
| Soziale Gerechtigkeit ist ein Problem von
Strukturen und Machtverhältnissen |
Eindringlich wird in der ASS-Broschüre die Frage gestellt, ob der soziale
Protestantismus ein Stachel im Fleisch der Volkskirche bleiben wird. Ob die
Bündnisse mit DGB-Gewerkschaften - generell und örtlich - mit zum Ende des Weges
beigetragen haben? Ein weiterer Beitrag befasst sich mit der Lage der Evangelischen
Arbeitnehmer-Bewegung vor allem im Ruhrgebiet. Ihre Gründung liegt fast 120
Jahre zurück, ein Bergmann gründete den 1. Ev. Arbeiterverein. Die EAB konnte
kürzlich neue Sekretäre einstellen. Sie existiert, weil sie Mitgliedsbeiträge
erhebt, einen durchstrukturierten Verband hat, eine Sterbekasse und eigene Verbandshäuser.
Ihr Motto heißt: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi
erfüllen.
Die Ev. Sozialakademie Friedewald/Westerwald ist das Mutterhaus. Dipl.-Volkswirt
Volker Hergenhan, Direktor der Akademie, schreibt: "Die Frage der sozialen Gerechtigkeit
wird in unserer Kirche niemals mehr nur karikativ verstanden werden können,
sondern immer auch als Problem von Strukturen und Machtverhältnissen."
Zu einem anderen typisch evangelischen Problem schreibt Dr. Wiedemann, ehemaliger
Direktor der Akademie: "Mir erschien bereits damals die AkfA (Aktionsgemeinschaft
für Arbeitnehmerfragen) als ein Generalstab ohne Truppen. Damit waren zugleich
- wie das in den letzten Jahrzehnten immer stärker wahrnehmbar wurde - die Weichen
in Richtung Erwachsenenbildung anstelle sozialpolitischer Einflussnahme gestellt."
Erwin Ortmann
|
Inhalt Archiv Ausgabe
BVEA Rundschau 1-2004
Inhalt Archiv 1-2004 " aus
den Landesverbänden:"
afa Bayern
EAB NRW
Evangelische Arbeitnehmer - Bewegung
NRW
EAN Berlin- Brandenburg
|