Maiaufruf
Der Bundesverband Evangelischer Arbeitnehmerorganisationen
e. V. (BVEA)
unterstützt das Motto des Deutschen Gewerkschaftsbundes - DGB -
zum 1. Mai 2004:
Unser Europa - frei gleich gerecht
Aus dem Europa der Fünfzehn wird ein Europa der Fünfundzwanzig. Der Beitritt
der langjährigen Kandidaten Osteuropas wird die europäische politische Landschaft
nachhaltig beeinflussen. Unser Ziel für diese erfreuliche Entwicklung ist die
Schaffung eines sozialen Europas in Freiheit und Gleichheit, Solidarität und
Toleranz.
Unsere Sorge gilt der Solidarität in unserer
Gesellschaft
Die evangelischen Arbeitnehmerorganisationen sehen
die gesellschaftlichen Entwicklungen mit Sorge. Wir verstehen, dass viele Menschen
bei der derzeitigen Reformflut den Überblick verlieren. Die Bürgerinnen und
Bürger der Bundesrepublik Deutschland sind sich bewusst, dass ohne tief greifende
Reformen unser Sozialsystem in eine Schieflage gerät. Demografische Faktoren
und ökonomische Globalisierungsaspekte sind den meisten bekannt, doch das Wissen
um diese Tatsachen beruhigt kaum. Die mangelhafte Öffentlichkeitsarbeit von
Regierung und Parlament hat eine zusätzliche Verunsicherung der Bevölkerung
bewirkt. In der Praxis schnell feststellbare Mängel der Gesetzesentwürfe verdeutlichen
"handwerkliche" Fehler, die die Verunsicherungen forcieren.
Uns als evangelische Christen ist deutlich, dass das alte deutsche Sozialsystem
ohne Reformen schon in wenigen Jahren nicht mehr funktionieren wird. Krankenversicherungs-
sowie Rentenversicherungsreformen benötigen einen langen Atem und einen festen
Willen, die Weichen für eine neue Richtung zu stellen. Unser Gesellschaftssystem
hatte auf eine florierende Wirtschaft mit einem regelmäßigen Wachstum vertrauen
können. Dem BVEA ist bei den anstehenden Reformen wichtig, dass die Bevölkerung
bei diesen Prozessen mitgenommen wird. Die Schwachen in unserer Gesellschaft
dürfen durch weitere soziale Härten nicht noch mehr ins Abseits gedrängt werden.
Gerade bei den Änderungen im Arbeitsrecht ist es notwendig darauf zu achten,
dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die jetzt arbeitslos geworden sind
oder denen Arbeitslosigkeit droht, nicht ihre erworbenen sozialrechtlichen
Ansprüche verlieren. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wird allgemein zu
optimistisch gesehen. Wir rechnen mit weiteren Rationalisierungen in Verwaltungen
und Industrie. Wir glauben nicht, dass aus dem Hut gezauberte Organisationsformen
wie die Ich-AG spürbare Entlastungen bringen werden. Durch die Erweiterung Europas
droht ein Lohndumping. Gewerkschaften und Parteien sind aufgerufen, solchen
Entwicklungen mit Macht entgegen zu treten.
Der BVEA erwartet und erhofft von unseren Politikern nicht nur Reparaturmaßnahmen,
sondern eine Vision mit realistischem Hintergrund, um den sozialen Frieden in
unserem Land und im erweiterten Europa zu sichern.
Alle Europäerinnen und Europäer haben ein Anrecht auf einen menschengerechten
Arbeitsplatz, eine geschützte Umwelt, eine ausreichende gesundheitliche Versorgung
und ein würdevolles Leben nach der Berufsphase!
In diesem Sinn rufen wir zur Teilnahme an den DGB-Kundgebungen zum
Tag der Arbeit auf.
April 2004 - Der Vorstand des BVEA
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