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aktionsgemeinschaft für arbeitnehmerfragen
in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern
Mehr als ein
Generationenwechsel
Dynamik und Tradition:
Nicht Hindernis,
Hilfe wollen wir sein
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Veränderte Voraussetzungen für alle
Arbeitnehmerorganisationen
Wenn man das Jahr 2003 vor seinem geistigen Auge Revue passieren lässt,
dann wird neben vielen anderem deutlich, wie gering in der bundesdeutschen Gesellschaft
die Bereitschaft zu sein scheint, für Werte wie Solidarität und soziale Gerechtigkeit
öffentlich und demonstrativ einzutreten. Die Gewerkschaften (und die christlichen
Arbeitnehmerbewegungen) haben dies anhand einer sehr schlechten Mobilisierungsfähigkeit
und sinkenden Mitgliederzahlen deutlich zu spüren bekommen.
Um in Zukunft wieder stärker und positiv in das öffentliche Bewusstsein zu
rücken, müssen die (christlichen) Arbeitnehmerbewegungen einen Strukturwandel
vollziehen, der auf veränderte Ausgangsbedingungen in Politik, Gesellschaft
und Ökonomie reagiert. Das ist verbunden mit einem Generationswechsel, der mehr
ist als das bloße Ersetzen von älter gewordenen Ehrenamtlichen bzw. Funktionären
durch jüngere Nachfolger/innen. Der Göttinger Politologe Franz Walter beschreibt
diesen Strukturwandel anlässlich des Bochumer Parteitags für die SPD, der er
übrigens politisch nahe steht: "Über einhundert Jahre zog die SPD Zuversicht
und Stolz daraus, Partei der Arbeiter zu sein." Für die SPD war die Arbeiterschaft
"die Klasse, die den ökonomischen Reichtum schuf, der die gesellschaftliche
Zukunft gehörte, in der sich die sozialistische Mission zu erfüllen hatte. (.)
Das ehemals aktive Subjekt der SPD, die Elite der Facharbeiterschaft, hat die
Arbeiterklasse (jedoch) im letzten Vierteljahrhundert verlassen und ist im Zuge
der ersten Bildungsreform in den 1970er Jahren in die akademische Dienstleisterklasse
der neuen Mitte aufgestiegen. (.) Aber gerade dieser Aufstieg hat ihr die früheren
Kraftquellen und Emanzipationsüberschüsse genommen. Als Partei der entschlossen
nach oben drängenden, sozial allerdings blockierten und kulturell ausgegrenzten
Facharbeiter war die SPD über viele Jahrzehnte vom Kaiserreich bis Weimar angefüllt
von Aufstiegsenergien, kühnen Zukunftsplänen und ambitionierten alternativen
politischen Projekten. Ihre Aktivisten strotzten vor Kraft, sprachen noch eine
eigene Sprache (.)." Walter kommt zum Fazit: "Der Erfolg frisst die eigenen
Voraussetzungen unerbittlich auf. (.) Die Sozialdemokraten haben es geschafft
- und eben das macht ihnen zu schaffen." (Süddeutsche Zeitung November 2003)
Allein in der afa Bayern findet man eine Fülle von Biografien, die Walters
Analyse eindrucksvoll bestätigen. Als Organisation von Ehrenamtlichen steht
die afa Bayern - wie viele andere (christliche) Arbeitnehmerbewegungen auch
- damit vor einer dreifachen Herausforderung:
-
- sie muss erstens einen ganz
"normalen" Generationswechsel bewerkstelligen;
-
- sie muss dies zweitens in einer
Zeit tun, in der ihre "Leitinstitutionen" (Kirche und Gewerkschaften) in der
Bevölkerung Ansehensverluste erleiden und
-
- sie muss dies drittens unter
den Bedingungen umsetzen, die Franz Walter eindrucksvoll beschrieben hat.
Erfahrungen der afa Bayern
Der afa Bayern gelingt die Bewältigung dieser Aufgabe sicherlich noch nicht
gut genug; verglichen mit befreundeten Organisationen stehen wir jedoch nicht
am schlechtesten da. Uns ist sehr daran gelegen, diese Debatte innerhalb des
BVEA zu intensivieren - ein erster Schritt dazu war die Beiratssitzung Anfang
Oktober in Friedewald. Mit diesem kurzen Artikel wollen wir die Diskussion fortsetzen,
in der Hoffnung, dass sich andere daran beteiligen. Die Mitgliedsorganisationen
des BVEA müssen sich gegenseitig unterstützen und sollten einander positive
Erfahrungen mitteilen, damit alle davon profitieren können.
| Mitgliedschaft ist eher hinderlich |
In sechs Thesen sollen deshalb Ausgangsbedingungen und erste Aktivitäten
der afa Bayern zur Bewältigung des beschriebenen Strukturwandels skizziert werden;
dies wird ergänzt durch eine Kurzbiografie eines jüngeren Landesvorstandsmitglieds
(siehe Kasten):
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- Niedrigschwelliger Zugang: ein großer struktureller Vorteil der afa Bayern besteht im Fehlen einer rechtlich
geregelten Form der Zugehörigkeit, also etwa einer Mitgliedschaft. Durch die
Kooperationsvereinbarung mit dem KDA ist die afa kirchlich angebunden, ohne
dass Interessierte oder jüngere Ehrenamtliche sich sofort durch eine Mitgliedschaft
langfristig binden müssen - deshalb muss die afa nicht, wie manche politische
Parteien, das Angebot einer Schnuppermitgliedschaft entwickeln.
-
- Leuchttürme: Neue Interessenten
werden oft über persönliche Kontakte gefunden - der menschliche Faktor spielt
eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung des/der Einzelnen, sich zu engagieren.
Deshalb ist es wichtig, in der Region mit Personen vertreten zu sein, die
man/frau kennt. Solche Menschen sind Leuchttürme - sie werden von Vielen gekannt
bzw. wahrgenommen und verfügen so über große Netzwerke. Für die afa Bayern
können das z.B. Sozialsekretär/innen, Pfarrer/innen oder Ehrenamtliche mit
vielen verschiedenen Ämtern sein.
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- Hoher Frauenanteil: Es
zeigt sich (u.a. aufgrund der Analysen von Franz Walter), dass auch in politischen
Gruppierungen der Anteil von ehrenamtlichen Frauen wächst. Ihnen sind aufgrund
geschlechtsspezifischer struktureller Benachteiligungen die Energien und Ambitionen
eigen, die Walter heute etwa in der SPD so vermisst. Bei der afa sind deshalb
viele der jüngeren Ehrenamtlichen entweder Frauen oder Paare.
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- Erfolg in Mittelstädten: Bei der afa Bayern zeigt sich, dass es sehr schwierig ist, in Großstädten
wie München oder Nürnberg mit ihrem großen Angebot (z.B. in der Erwachsenenbildung)
und ihren ausdifferenzierten Milieus neue Ehrenamtliche zu gewinnen. Gleiches
gilt aus anderen Gründen für das "flache Land". Erfolg versprechend sind jedoch
Neugründungsversuche der afa in Mittelstädten von 50. - 100.000 Einwohner/innen,
wo einerseits genug Menschen in ähnlichen Lebenslagen zu finden sind und andererseits
das bereits vorhandene Angebot noch ergänzungsbedürftig ist.
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- Parallelstrukturen aufbauen: An vielen Orten, wo seit zwei oder mehr Jahrzehnten eine eingeschworene afa-Gruppe
existiert, ist es nicht möglich, für diese Kreise jüngere Ehrenamtliche zu
finden - so offen sich solche Kreise auch geben, für Außenstehende ist es
in der Regel schwer, ihren eigenen Platz zu finden, da alle Rollen schon besetzt
sind. Deshalb sind wir in Bayern dazu übergegangen, an bestimmten Orten mit
dem Neuaufbau der afa parallel zu den vorhandenen Kreisen zu beginnen.
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- Permanente und punktuelle
Aufgabe: Die Gewinnung neuer Ehrenamtlicher, der Aufbau neuer Gruppen
ist einerseits eine permanente Aufgabe jeder Organisation. Andererseits versucht
die afa in Bayern, durch punktuelle Angebote, wie z.B. einer spezifisch auf
die Bedürfnisse "jüngerer" Ehrenamtlicher zugeschnittenen landesweiten Fortbildung
diesen Prozess zu intensivieren.
Martin Becher
afa-Geschäftsführung
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Inhalt Archiv Ausgabe
BVEA Rundschau 1-2004
Inhalt Archiv 1-2004 " aus
den Landesverbänden:"
afa Bayern
EAB NRW
Evangelische Arbeitnehmer - Bewegung
NRW
EAN Berlin- Brandenburg
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