Sozialsystem
Ist der Sozialstaat egal?
Christliche Arbeitnehmer fragten
nach
"Wen interessiert der Sozialstaat eigentlich noch?" Das fragte
Herbert Rische, Präsident der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte,
auf der Podiumsveranstaltung der "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Arbeitnehmerorganisationen"
(ACA) beim Ökumenischen Kirchentag.
Dr. Joachim Breuer,
Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften,
Dr. Herbert Rische, Präsident der BfA, Dr. Werner Gerdelmann, Vorstandsmitglied
VdAK, Johannes Norpoth, stv. Bundesvorsitzender ACA, Karl Nothof, Bundesvorsitzender
ACA, Dr. Christian Homrichhausen, BVEA. |
Viele junge Menschen würden sich den drängenden Zukunftsfragen doch gar
nicht stellen, beklagte Rische. Der Politik fehle oft die erforderliche Weitsicht
bei zukunftsträchtigen Entscheidungen. Mehr Wahrheiten forderte Rische von
den Politikern: "Die Bürger dürfen ihr Vertrauen in den Sozialstaat nicht
verlieren. Im Moment stört mich, dass es an einer ehrlichen Politik fehlt."
Die Solidarität als Wurzel der christlichen Gesellschaftslehre fehle in den
Sonntagsreden der Prominenz. "Es ist schon interessant, wenn man hört, wie
Professoren und Politiker mit ihren Aufrufen zur Solidarität in der Kranken-
und Rentenversicherung vorne dabei sind und bei ihren eigenen Versicherungssystemen
vornehme Zurückhaltung an den Tag legen", kritisierte Rische.
Die gesetzliche Krankenversicherung müsste eigentlich christliche Krankenversicherung
heißen, "weil in ihr alle Prinzipien der christlichen Gesellschaftslehre ihren
Niederschlag gefunden haben", eröffnete Werner Gerdelmann, Vorstandsmitglied
des Verbandes der Angestelltenkrankenkassen, einen neuen Blick auf das Versicherungssystem.
Dieses sei allerdings nun in Gefahr. Die aktuelle Diskussion gefährde die
christlichen Prinzipien. Die oft betonte Stärkung der Eigenverantwortlichkeit
sei eine Umschreibung: In Wirklichkeit solle Leistung abgebaut und die Selbstbeteiligung
der Versicherten erhöht werden. In dieser Situation sei die ACA gefordert,
stellte Bundesvorsitzender Karl Nothof die Aufgabe des Verbandes in den Mittelpunkt.
"Wir müssen die Finger in die politischen Wunden legen und auf die Gefährdung
des Sozialstaates immer wieder hinweisen."
ACA
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