Alterung der Bevölkerung ist die
Herausforderung
Ist die Parität noch zu retten?
Hans-Joachim Bieletzki, BVEA- Vorstandsmitglied besuchte das Symposium
"Eigenverantwortung und Wettbewerb im Gesundheitswesen" der Stiftung Marktwirtschaft
in Berlin. Von den sehr konträren Beiträgen hier vier Stellungnahmen zum Demografieproblem
aus dem Tagungsbericht.
Prof. Dr. Günter Neubauer, München: "Reformen unvermeidlich"
Prof. Dr. Günter Neubauer fasste den Diskussionsprozess der Tagung vor
der abschließenden Podiumsdiskussion pointiert zusammen. Als entscheidendes
Hindernis für die politische Umsetzung der notwendigen Reformen sah er die
zunehmende Alterung der (Wahl) Bevölkerung. Diese führe dazu, dass ein immer
größerer Bevölkerungsanteil von scheinbar unattraktiven, reformbedingten Leistungskürzungen
betroffen wäre. Die Politik müsse daher deutlich machen, dass es sich dabei
um das kleinere Übel handele, da das System ohne Reformen mit Sicherheit nicht
überlebensfähig sei.
Karsten Schönfeld, MdB (SPD): "Klares Plädoyer für paritätische
Finanzierung"
Der SPD-Abgeordnete
plädierte für die Beibehaltung der Umlagefinanzierung. Allerdings sollte man
sich über den Leistungskatalog unterhalten. Außerdem müsse man das Kostenbewusstsein
der Patienten stärken - Stichwort "Patientenquittung". Seiner Ansicht nach
gibt es in Deutschland zu viele Krankenkassen. Fusionen solle man jedoch nicht
gesetzlich vorschreiben, sondern das solle der Wettbewerb entscheiden. Bei
der Finanzierung der Beiträge plädierte er klar für die paritätische Finanzierung.
Er könne nicht einsehen, warum der Beitrag auf der Arbeitgeberseite eingefroren
werden sollte.
Karsten
Schönfeld ist Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Soziale Sicherung sowie
Mitglied im Bundesvorstand der Arbeiterwohlfahrt.
Daniel Bahr, MdB (FDP): "Streichpotenziale nutzen"
Die Arbeitgeberbeiträge
zur Krankenversicherung sollten, so die Aussage von Daniel Bahr, festgeschrieben
und die starke Kopplung zwischen Beiträgen und Arbeitseinkommen beendet werden.
Streichpotenzial sah er in den folgenden Bereichen: Zahnersatz, Zahnbehandlung,
Kuren, Selbstbehalte, Hausarztmodelle, Unfälle. In der Frage "Kostenerstattung
oder Sachleistungen?" plädierte er für die Kostenerstattung, eine Wahlmöglichkeit
wäre ihm ebenfalls sympathisch, in der Hoffnung, dass sich die Kostenerstattung
im Wettbewerb durchsetze. Auch die gesetzlichen Krankenkassen, so Bahr, müssten
langfristig kapitalgedeckt finanziert werden. Dies sei im Moment allerdings
nicht finanzierbar.
Daniel
Bahr ist Mitglied des Gesundheitsausschusses, Sprecher für demografische Entwicklung
und Vorsitzender der Jungen Liberalen.
Hildegard Müller, MdB (CDU): "Kapitaldeckung als Chance"
"Wir müssen soviel
wie möglich auf die Kapitaldeckung umstellen. Dies ist die einzige Chance
der jungen Generation, die Demografie in irgendeiner Weise zu schultern",
lautete die Ansicht von Hildegard Müller. Doppelt zahlen würden die Jungen
in jedem Fall, durch die Marktmacht der Rentner. Das Sachleistungsprinzip
fand sie nur sinnvoll in Verbindung mit Selbstbehalten. Das Grundprinzip des
Risikostrukturausgleichs hielt sie für richtig. Allerdings dürften nicht 98
% der Unterschiede nivelliert werden, das habe mit Wettbewerb nichts mehr
zu tun. Die Frage der paritätischen Finanzierung ist für sie eine Scheindiskussion:
"Denn die Arbeitgeber werden sich ohnehin über die Tarifverhandlungen beteiligen."
Hildegard
Müller ist Mitglied im Gesundheitsausschuss und des CDU-Präsidiums, 1998 -
2002 war sie Bundesvorsitzende der Jungen Union.
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