Kühlewind sagte, er trete an, Mut zu machen und dem "Jammern auf hohem Niveau
entgegenzuwirken". Das aktuelle Zahlenwerk sei jedoch erschreckend. Neben den
registrierten Arbeitslosen sei, betonte Kühle-wind, die stille Reserve derer
zu berücksichtigen, die sich in Ausbildungsschleifen befänden, um ihren Zugang
in die Arbeitslosigkeit hinauszuschieben. Dazu kämen die, die vorzeitig aus
dem Job herausgegangen seien oder die Hoffnung auf Arbeit aufgegeben hätten.
"In Wirklichkeit fehlen etwa sieben Millionen Arbeitsplätze", weiß der Nürnberger.
Dabei sind nicht immer die selben Personen betroffen. Im Jahr 2002 seien
mehr als sieben Millionen Fälle von Arbeitslosigkeit hinzugekommen, eine etwas
geringere Zahl sei aus der Arbeitslosigkeit ausgeschieden. Das zeige, dass Arbeitslosigkeit
viel mehr Familien treffe, als dies die reine Statistik zeige.
Der Mangel an Arbeitsplätzen muss bekämpft werden, zeigt der Arbeits-forscher
das politische Ziel auf. Dazu sei wirtschaftliches Wachstum notwendig. Der Arbeitsmarkt
werde sich verändern: Durch die demographische Entwicklung werde das Erwerbspersonal
bis zum Jahre 2040 ohne Zuwanderung von 40 Millionen auf 25 Millionen sinken.
Noch verdeckte Potenziale müssen weiter gestärkt werden. Kühlewind meint,
dass dies im Dienstleistungssektor am leichtesten möglich sei. Umstrukturierungen
und Rationalisierungen auf dem Arbeitsmarkt dürften deshalb nicht gestoppt werden.
"Roboter werden in 40 Jahren unsere Rente sicherstellen", ist Kühlewind überzeugt.
"Sie schaffen Raum, dass im Dienstleistungssektor mehr Erwerbsleistung erbracht
werden kann."
Kühlewind betonte, dass in der Zukunft eine höhere Qualifizierung der Arbeitnehmer
unerlässlich sei. Hätten 1976 noch 34 Prozent der Arbeitsplätze für nicht Ausgebildete
zur Verfügung gestanden, so seien es 2010 nur noch elf Prozent. Hier sei ebenfalls
die Politik gefordert.
Wesentlicher wirtschaftlicher Grundsatz sei es, dass der Sozialaufwand einer
Gesellschaft aus dem Volkseinkommen gedeckt werden müsse, das in der laufenden
Periode erwirtschaftet werde. Darauf müsse man in der Zukunft achten.
Der Arbeitsforscher ist sicher: "Das Bruttosozialprodukt ist in den letzten
50 Jahren immer gestiegen. Der Kuchen wächst weiter. Das heißt, dass bei sinkenden
Bevölkerungszahlen alle etwas mehr vom Kuchen abbekommen können."
Das Problem, das die Politik am Ende lösen müsse, sei dann die Verteilungsgerechtigkeit.
Wu |