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Wir
dürfen vor unangenehmen Wahrheiten nicht die Augen verschließen
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Nun sind wir wieder in
der Jahreszeit angelangt, die wir "die Ruhige" nennen und in der Besinnung
möglich sein soll. Mir geht es sicher genauso wie vielen von Ihnen - jedes
Jahr hoffe und wünsche ich mir die Ruhe und die Möglichkeit zur Einkehr,
zum friedlichen Austausch mit vertrauten Menschen, zur Besinnung auf wesentliche
Dinge des Lebens - aber gelungen ist es dann ganz selten und wenn, dann
auch nur für kurze Zeit; ruhige Zeiten, in denen man sich hoffnungsvoll
zurücklehnen kann haben wir nicht.

Vorstandsmitglieder des BVEA: Günter
Freudenberg, Hans-Joachim Bieletzki, Eva-Maria Kramer, Brunhild Bald
Dabei wäre es gerade in
dieser Zeit so nötig uns zu besinnen: Über uns, über unseren Nächsten,
die Inländer oder Ausländer, über unsere Solidarität mit anderen Generationen,
unsere Gesundheit und was wir für sie tun könnten, unsere Krankheiten,
unsere Renten, unsere Arbeitsplätze, unsere Politik und ihre Vertreter/innen,
unsere Umwelt - und bitte, wenn noch etwas Zeit bleiben sollte - über
unsere christlichen Werte, den Sinn unseres Lebens.
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Ich möchte einen Punkt
herausgreifen, der uns schon eine Weile begleitet und sicher noch sehr
viel heftiger beschäftigen wird: Der Umgang mit den folgenden Generationen.
Da gibt es viele Aspekte. Einerseits ist es schon immer unser Wunsch von
uns für "sie" gewesen, dass "sie" es besser haben sollen (sofern es die
eigenen Kinder/Enkel sind) - aber was hinterlassen wir wirklich? Als erstes
einmal viel zu wenig davon (derzeit pro Frau 1,35 Kinder!). 1892 war das
letzte Jahr, in dem die Geburten- und Sterberaten ausgeglichen waren.
Seither schrumpfen unsere Bevölkerungszahlen und werden es weiter tun.
Von aktuell 82 Millionen
werden wir in fünf Jahren nur noch 78 Millionen Menschen zählen. Statt
derzeit 36 werden nur noch 28 Millionen erwerbstätig sein. Zugleich wird
die Zahl der Rentner auf 10 Millionen steigen.
So kann mit der sinkenden
Geburtenrate der Generationenvertrag nicht mehr funktionieren. 1960 kamen
auf 15 Beitragszahler drei Rentner/innen. 2000 waren es noch sieben Erwerbstätige.
Im Jahr 2030 wird es fast ebenso viele Beitragszahler wie Menschen im
erwerbsfähigen Alter geben.
Es gibt viele Gründe dafür
- für jeden vermutlich einen anderen wichtigen, aber es gibt auch übergeordnete,
solche, die gesellschaftspolitisch entstehen. Es gehört derzeit nicht
zu den erstrebenswerten Zielen für die junge Generation, sich um Nachwuchs
zu kümmern, mit allen uns bekannten Konsequenzen. Warum ist das so? Haben
wir, die vorhergehende Generation zuviel geklagt über die Belastungen
bei der Erziehung? Haben wir uns zuviel über mögliche Störungen durch
Kinder beklagt? Geht es unserer nächsten Generation nur um die "Fun-Welt"?
n Zeiten ständig drohender
Arbeitslosigkeit spielen die Finanzen sicher auch eine erhebliche Rolle
- die dann notwendige, aber nicht bezahlbare größere Wohnung - nicht so,
wie gewohnt, in Urlaub fahren zu können, die Betreuung der Kinder, während
die Eltern arbeiten, die Toleranz für die Kleinen in der Öffentlichkeit...
Was im Einzelnen die Gründe sind, ist nicht eindeutig. Wahrscheinlich
ist es etwas von allem. Es soll hier auch noch nicht einmal der Verdacht
einer Moralisierung aufkommen. Mir kommt es darauf an, hier die Faktoren
der Wirklichkeit anzusprechen und sie bewusst zu machen.
Allerdings erwarten wir
noch immer und tun so (wie sich das seit vielen Jahren eingebürgert hat),
dass die nächste Generation diese Probleme, vor allem der Finanzlasten,
übernimmt und löst. Das wird sie so tatsächlich nicht können und, wie
immer deutlicher wird, auch gar nicht wollen. Wieder einmal steht für
die Generation, die jetzt Verantwortung trägt (die Regierung, die Opposition
und die Wähler/innen) eine dramatische Neuorientierung an.
Jetzt sind alle
aufgerufen, ihren Beitrag zur Lösung der Probleme zu leisten, z.B. indem
wir aufhören zu fordern, weiter Schulden zu machen, da jeder Cent, den
wir heute aus den öffentlichen Haushalten ausgeben, den Schuldenberg für
unsere Nachkommen erhöht.
Die Riester-Rente hat
diesen Ansatz aufgenommen und bietet eine neue Struktur zur Lösung dieser
Probleme.
Um es zu verdeutlichen,
dieses Beispiel: Wenn Ihre Familie Ihnen Millionen Euro an Schulden vererben
würde, würden Sie dieses Testament annehmen? Wir brauchen einen sozialen
Weg unter den Generationen um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die dann
alle tragen können (und müssen).
Weihnachten ist auch ein
Fest der Familie. Ich hoffe, Sie verbringen es umringt von vielen Kindern,
die mit leuchtenden Augen auf eine gute Zukunft hoffen können.
Ich wünsche Ihnen allen
frohe Weihnachten und ein gesegnetes neues Jahr.
Brunhild
Bald, Bundesvorsitzende des BVEA
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