Zwangsarbeit in der Nazizeit -
Zwangsarbeit heute
Durch die in Gang gekommene Entschädigung
ehemaliger Zwangsarbeiter in Deutschland ist die Gefährdung des grundlegenden
Rechtes der freien Wahl von Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte ins
Zentrum allgemeiner Aufmerksamkeit gerückt worden.
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Dass im Jahr 2001 das Internationale
Arbeitsamt einen "Gesamtbericht im Rahmen der Folgemaßnahmen zur Erklärung
der IAO über grundlegende Prinzipien und Rechte bei der Arbeit" mit dem Titel
"Schluss mit der Zwangsarbeit" vorlegen musste, ist kaum bekannt.
Der erste Teil des Seminars
stellte die Gruppen der nach dem Gesetz zu entschädigenden Zwangsarbeiter
vor. Aktuelle Zahlen vom 16. Oktober 2002 zum Stand der Entschädigungszahlungen
wurden dann mit den historischen Sachverhalten konfrontiert und dem in der
Forschung angegebenen Umfang geleisteter Zwangsarbeit in Deutschland 1939
1945. Anschließend wurde der Blick auf die Verhältnisse in Berlin und Brandenburg
gelenkt. Dabei musste erneut zur Sprache kommen, dass auch in der Diakonie
und Kirche Ostarbeiter und Polen zum Einsatz gekommen sind, die wenn evtl.
vereinzelt auch freiwillig in den
Dienst getreten keine freie
Entscheidung über die Fortführung ihrer Tätigkeiten hatten.
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Im Rahmen eines Seminars
informierten sich Berliner Teilnehmer unter anderem über das Gesetz zur Stiftung
"Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" vom Juli 2000. Es hat die Voraussetzungen
für die Entschädigungszahlungen geschaffen. Das Seminar hat nun nicht nur
Zwangsarbeit als einen Teil eines sehr dunklen Kapitels der deutschen Geschichte
erinnert, sondern auch auf die noch in der Gegenwart herrschenden Formen von
Zwangsarbeit aufmerksam gemacht.
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Zahlen
zu den Krankenhäusern und Mutterhäusern in Berlin und Brandenburg wurden genannt.
Einrichtungen, die gewerbsmäßig auf die Unterbringung von Fremd und Zwangsarbeitern
angewiesen waren und unter Gefährdung ihres eigentlichen Auftrages zunehmend
von Dritten, wie z. B. Firmen und Stellen der Wehrmacht in Anspruch genommen
wurden, kamen ebenfalls zur Sprache, ebenso wie die Herbergen zur Heimat sowie
Wohnheime und Hospize.
Für den zweiten Teil des
Seminars stand Herr Dietrich Willers, Referatsleiter für die Beziehungen zur
Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) in Genf aus dem Bundesarbeitsministerium,
zur Verfügung. Er führte zuerst in Geschichte und Organisation der "International
Labour Organization" (ILO) ein, um sich dann speziell der "Normenanwendungskontrolle"
zuzuwenden und den zur Verfügung stehenden Sanktionsmechanismen. Die Konferenz
der IAO hat sich in der zweiten Hälfte der 90er Jahre mit den Verhältnissen
in Myanmar (Burma) beschäftigen müssen mit erheblichen Folgen für dieses Land.
Der Einsatz von Zwangsarbeit
durch das Militär und andere staatliche Stellen angeblich für Entwicklungszwecke
hat in Myanmar zu einer Situation geführt, die große Aufmerksamkeit erregt.
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Mit einem Beschluss,
der in der 80-jährigen Geschichte der Organisation einzigartig ist, haben
die Mitgliedsgruppen der IAO nach Artikel 33 der Verfassung in diesem Zusammenhang
die Initiative ergriffen. Unter anderem führte dies dazu, dass an die Mitgliedstaaten
Arbeitgeber und Arbeitnehmerverbände und andere internationale Organisationen
appelliert wurde, ihre Beziehungen zu diesem Land zu überprüfen. (zit. n.
Gesamtbericht, S. IX) Besonders interessant waren die Ausführungen zur Diskussion
zur Ratifikation des Übereinkommens Nr. 29 in Deutschland in den 50er Jahren,
da schon damals einzelne Länder die Regelung des Übereinkommens zur Beschäftigung
von Strafgefangenen durch Private aus wirtschaftlichen und anderen Gründen
für nicht vertretbar hielten. "Die Beseitigung aller Formen von Zwangs und
Pflichtarbeit" wird seit Beschluss der Erklärung der Internationalen Arbeitsorganisation
1998 zu den "grundlegenden Prinzipien und Rechten bei der Arbeit" gerechnet.
Das hat nun zur Folge, dass insbesondere die konstruktiven Ansätze zur Überwindung
der Verletzungen von Menschenrechten, die Bestandteil des entwicklungspolitischen
Dialogs sind auch für die Sozialpartner und Regierungen eine zunehmende Bedeutung
erlangt haben.
Dr. Christian Homrichhausen,
EAN Berlin-Brandenburg
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