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Offener Brief an die Damen und Herren Kultusminister/innen,
nicht erst seit Veröffentlichung der Ergebnisse aus der "Pisa-Studie" beobachten wir mit großer Sorge folgende Auswirkungen unserer Bildungseinrichtungen. Immer mehr Schülerinnen und Schüler verlassen die Schulen mit mehr als mangelhaften Kenntnissen in Schreiben, Lesen und Rechnen, deren grundlegende Vermittlung zum Lehrauftrag Ihrer Organisationen gehört
Diese Schulabgänger sind, meist gekoppelt mit erworbener Leistungsverweigerung und - Unwilligkeit,
schwer vermittelbar - sogar in sogenannte einfache handwerkliche Ausbildungsberufe
später - kaum vermittelbare - Arbeitslose.
Den Verlauf eines solchen Menschenlebens können sicher auch Sie sich in allen Variationen (Kriminalität, Drogen, Familienprobleme...) vorstellen.
Wir fordern Sie deshalb dringend auf, Abhilfe zu schaffen durch
frühzeitiges Erkennen von Lernschwächen bis hin zur Leistungsverweigerung;
Einrichten von Förderprogrammen, die den Teufelskreis frühzeitig unterbrechen und diesen Schülern erlaubt, wieder Spaß am Lernen und an Erfolgen durch selbst erbrachte Leistung zu haben;
Einrichtung kleinerer Klassen;
gezielte Förderung der Lehrer/innen, die bereits während des Studiums erfolgen muss;
gezielte Förderung bereits ausgebildeter Lehrer/innen, die damit in die Lage versetzt werden, Lernschwächen, psychologische Auffälligkeiten, aber auch besondere Begabungen, Fähigkeiten zu erkennen und die jeweilige notwendige Maßnahme/Förderung für die Schüler einzuleiten.
Wir betrachten die Einführung der Ganztagsschulen als eine dringend notwendige Maßnahme auf diesem Weg der gezielten, altersgerechten Förderung der Entwicklung unserer Jugend.
Wir betrachten die Ganztagsschulen nicht als eine Form der bequemen Unterbringung bzw. als Aufbewahrungsanstalt für unsere Jugend, während die Eltern arbeiten, obwohl natürlich dies, besonders für berufstätige Frauen, eine beträchtliche Erleichterung ihrer organisatorischen Familienaufgaben darstellt. Dies unterstützen wir ebenso. Dass es möglich ist, haben uns andere europäische Länder erfolgreich vorgemacht.
Die Möglichkeit, die berufliche und auch schulische Qualifizierung von benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Mitteln der Bundesanstalt für Arbeit voranzubringen, beurteilen wir im Blick auf die vorgenannten Forderungen als eine befristete, aber doch mittelfristig notwendige Maßnahme.
Wir wollen auch nicht verschweigen, dass es große erzieherische Probleme in den Familien gibt, für die die Eltern zuständig sind und nicht die Schulen. Bei diesem Problem wiederum spielt auch Arbeitslosigkeit eine bedeutende Rolle. Nur unseren Kindern - unserer Zukunft - wird nicht geholfen, wenn beide, Eltern und Schulen, in gegenseitigen Schuldzuweisungen verharren.
Tun Sie das Ihre in Ihren Institutionen - Ministerien - um dieser Misere Einhalt zu gebieten. Werden Sie Ihrer Aufgabe und Verantwortung gerecht: Sie haben einen Bildungsauftrag.
München, im Oktober 2002
Brunhild Bald, Vorsitzende des BVEA
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