Mutiges Konzept der Bundesregierung
Brunhild Bald,
Bundesvorsitzende BVEA
Neuorganisation schafft noch keine neuen Arbeitsplätze
Matthias Gehlhar,
Bundesgeschäftsführer BVEA
Beschäftigung für alle ist das zentrale
Ziel
Franz Müntefering,
Generalsekretär der SPD

Das Arbeitsmarktpaket der Union
Angela Merkel,
Vorsitzende der CDU
Umbau ja, Abbau nein
Roland Claus,
Fraktionsvorsitzender der PDS
Steuerentlastung der Unternehmen
Claudia Roth,
Bündnis 90/Die Grünen
Mittelstand ist Beschäftigungsmotor Nr. 1
Christa Stewens,
Bayerisches Staatsministerium Arbeit und Sozialordnung
Steuersenkungen sind das beste ...
Cornelia Pieper, Generalsekretärin der FDP
Moderne Arbeitsmarktverfassung
Dr. Dieter Hundt,
Präsident des BDA
Die Schere zwischen brutto und netto
Wolfgang Oettle,
IHK Esslingen
Lösungswege zum Arbeitsmarktproblem
Dr. Günter Klemm,
Handelskammer Hamburg
Neue Arbeitsmarktverfassung
Joachim Kienzle,
Südwest-metall, Neckar-Fils |
Dr.Dieter
Hundt, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
Deutschland braucht eine moderne Arbeitsmarktverfassung!
Auf dem Arbeitsmarkt
ist nach wie vor keine Erholung in Sicht.
Die Zahl von fast vier Millionen Arbeitslosen, die im
internationalen Vergleich signifikant hohe Langzeitarbeitslosigkeit und die
Entwicklung der Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer verweisen Deutschland
im europäischen Wettbewerb auf einen der hinteren Plätze. Vor allem für Geringqualifizierte
wird die Rückkehr in den Arbeitsmarkt immer schwieriger.
Dabei ist ein längerfristig
andauernder Mangel an rentablen Arbeitsplätzen kein unausweichliches Schicksal.
Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass das Beschäftigungsvolumen
nicht vorgegeben ist, sondern wesentlich von den politisch gesetzten Rahmenbedingungen
abhängt. Bei einer an den Bedürfnissen einer modernen Wirtschaft ausgerichteten
Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik kann die längerfristig gestiegene Sockelarbeitslosigkeit
in einem mehrjährigen Prozess wieder zurückgeführt werden. Voraussetzung ist
allerdings eine Arbeitsmarktverfassung, die den Strukturwandel unterstützt,
der sich in den Unternehmen aufgrund des zunehmenden internationalen Wettbewerbs
und neuer Technologien vollzieht. Eine solche Arbeitsmarktverfassung ist gekennzeichnet
durch Beweglichkeit und Flexibilität. Daran mangelt es in Deutschland erheblich.
Viele der in Kommissionen und im Parlament in den letzten Jahren diskutierten
Vorschläge, die in diese Richtung zielen, harren nach wie vor der Umsetzung.
Vor allem die mittelständischen
Betriebe sind verunsichert. Mit der Zielsetzung einer höchstmöglichen Arbeitsplatzsicherheit
für jeden Einzelnen versucht der Gesetzgeber unablässig, Arbeitsmarktrisiken
"wegzuregulieren". Die Gesetze für mehr Teilzeitarbeitsplätze oder zur Verhinderung
von Missbrauch bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen waren meist gutgemeint,
haben aber zum Gegenteil des Erwünschten geführt. Das Ergebnis sind höchst
komplizierte und bürokratische Regelungen. Die BDA setzt dem ein beschäftigungsschaffendes
Gesamtkonzept entgegen:
· Die soziale Absicherung
bei Arbeitslosigkeit muss wesentlich stärker aktivierend ausgestaltet werden.
Problematisch ist vor allem die lange Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes.
Sie sollte wieder auf maximal zwölf Monate konzentriert und ab dem sechsten
Monat degressiv ausgestaltet werden. Arbeitslosen- und Sozialhilfe sind auf
Grundlage der Sozialhilfe zusammenzufassen. Die Leistung von Arbeitslosengeld
und Sozialhilfe muss verbindlich an Aktivitäten zur Arbeitsaufnahme gekoppelt
werden.
· Insbesondere Langzeitarbeitslose
und Geringqualifizierte müssen durch ein echtes Kombi-Einkommen Anreize zur
Arbeitsaufnahme erhalten. Deshalb muss die einseitige Ausrichtung unseres
Sozialsystems auf den Lohnersatz überwunden werden. Wir brauchen statt dessen
mehr Möglichkeiten der Lohnergänzung, um die vielfältigen "Sozialstaatsfallen"
zu überwinden.
· Viele Instrumente
der sogenannten aktiven Arbeitsmarktpolitik, vorrangig aber die Förderung
der künstlichen Beschäftigung über Arbeitsbeschaffungs- und Strukturanpassungsmaßnahmen,
führen im Ergebnis nicht zu verbesserten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie
hemmen im Gegenteil in den meisten Fällen die fachliche und regionale Mobilität
der Geförderten. So werden Arbeitslose nur verwahrt und weiter verwaltet,
aber nicht aktiviert.
·Eines der großen
Probleme ist vor allem das deutsche Arbeitsrecht. Als Arbeitgeber mache ich
persönlich immer wieder die Erfahrung, dass die Betriebe in ihrer Bewegungsfreiheit
eingeschränkt werden und ihnen die notwendige Flexibilität genommen wird,
um sich den kurzfristigen Veränderungen einer globalisierten Wirtschaft anzupassen.
Diese Hemmnisse müssen endlich beseitigt werden.
Unsere Beschäftigungsprobleme
können nicht mit defensiven Strategien - wie der Abschottung von Weltmärkten
und einem immer weiteren Vordringen des Staates - gelöst werden, sondern nur
auf dem Weg der offensiven Umgestaltung des Regelwerkes der Arbeit mit dem
Ziel, den Prinzipien von Effizienz und Wettbewerb neue Geltung zu verschaffen.
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