Mutiges Konzept der Bundesregierung
Brunhild Bald,
Bundesvorsitzende BVEA
Neuorganisation schafft noch keine neuen Arbeitsplätze
Matthias Gehlhar,
Bundesgeschäftsführer BVEA
Beschäftigung für alle ist das zentrale
Ziel
Franz Müntefering,
Generalsekretär der SPD

Das Arbeitsmarktpaket der Union
Angela Merkel,
Vorsitzende der CDU
Umbau ja, Abbau nein
Roland Claus,
Fraktionsvorsitzender der PDS
Steuerentlastung der Unternehmen
Claudia Roth,
Bündnis 90/Die Grünen
Mittelstand ist Beschäftigungsmotor Nr. 1
Christa Stewens,
Bayerisches Staatsministerium Arbeit und Sozialordnung
Steuersenkungen sind das beste ...
Cornelia Pieper, Generalsekretärin der FDP
Moderne Arbeitsmarktverfassung
Dr. Dieter Hundt,
Präsident des BDA
Die Schere zwischen brutto und netto
Wolfgang Oettle,
IHK Esslingen
Lösungswege zum Arbeitsmarktproblem
Dr. Günter Klemm,
Handelskammer Hamburg
Neue Arbeitsmarktverfassung
Joachim Kienzle,
Südwest-metall, Neckar-Fils |


Die Hartz-Kommission:
Ein mutiges Konzept der Bundesregierung!
Die Notwendigkeit, bei der Reform des Arbeitsmarktes die soziale Gerechtigkeit
zu berücksichtigen.
Brunhild Bald, Bundesvorsitzende der Evangelischen Arbeitnehmerorganisationen
in der Bundesrepublik Deutschland begrüßt nachdrücklich die Vorschläge der nach
Peter Hartz benannten Kommission und gab dazu folgende Stellungnahme ab.
Die Unterstützung für die Hartz-Kommission mache ich heute bereits bekannt,
obwohl der Gesamtumfang und die Details des Berichtes der Kommission noch nicht
vorliegen.
Denn der Ansatz der Kommission ist notwendig, dass ein umfassendes und abgestimmtes
Konzept zur Arbeitsvermittlung und zum Abbau der Arbeitslosigkeit vorgelegt
wird.
Es ist zu hoffen, dass in Politik und Gesellschaft die Verantwortlichen den
Mut haben, sachgemäß und klar zu entscheiden, aber auch dabei das rechte Augenmaß
finden, die mitmenschlich notwendige Solidarität mit den sozial Schwachen oder
Ausgegrenzten zu finden. Gerade diese Menschen benötigen in ihrer Notlage unsere
besondere Beachtung; sie dürfen durch falsche Zusagen nicht erneut in die Hoffnungslosigkeit
geraten.
Die Richtung stimmt, aber wir sind uns bewusst, dass dieses Konzept zur Reform
des Arbeitsmarktes nicht das Grundproblem der deutschen Wirtschaft lösen kann,
nämlich dass es in Deutschland zu wenig Arbeitsplätze gibt. Mit der Unterstützung
für die Reform wird die Forderung an die Bundesregierung verbunden, aufgeschlossen
und unkonventionell Ansätze zu verfolgen, die strukturelle Arbeitslosigkeit
in unserem Land nachhaltig zu verringern.
Die Vorschläge der Kommission im Einzelnen ermöglichen endlich die Auflösung
des Reformstaus in der Arbeitsmarktpolitik. Allzu viele Jahre hat es in diesem
Bereich an einem wirkungsvollen politischen Handeln gemangelt, weil es den Verantwortlichen
an der Bereitschaft fehlte, realistisch und ernsthaft diese komplexen Aufgaben
anzugehen. Hier ist Kreativität gefragt für die Lösung des Arbeitsmarktproblems
und es hilft nicht, das Problem (wie gewohnt) auszusitzen oder zu negieren!
Wichtig ist bei der anstehenden Reform zu berücksichtigen, dass durch einzelne
Elemente dieses Konzeptes nicht neue soziale Probleme entstehen.
Veränderungen des bestehenden Systems und Einschnitte mögen notwendig sein,
sie dürfen aber nicht auf dem Rücken der ohnehin bereits Bedürftigen ausgetragen
werden.
Für dieses seit Jahren erstmals Erfolg versprechende Konzept ist das gemeinsame
Mitwirken von Arbeitgebern und Gewerkschaften notwendig. Nach den ersten öffentlichen
Reaktionen ist allerdings davon auszugehen, dass sich beide ihrer gesellschaftlichen
Verantwortung für eine konstruktive Kooperation bewusst sind. Vom Wort zur Tat
ist aber bekanntlich ein langer Weg. Daher ist daran zu erinnern, wie sehr Initiativen
der Arbeitgeber vermisst werden, ein Gleichgewicht zwischen den finanziellen
Interessen der Betriebe und der Fürsorge für ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
herzustellen. Die Dominanz des Denkens in Shareholder Value kann so nicht bestehen
bleiben.
Der Vorstand des BVEA hat sich über Jahre hinweg mit der Problematik des Arbeitsmarktes
befasst, z. B. haben wir in einer Resolution eine Deregulierung auf dem Arbeitsmarkt
gefordert und im Juni 2001 für eine konsequente Umsetzung des Strategiebündels
der Reform der Bundesanstalt für Arbeit plädiert. Deshalb bieten die bislang
bekannten Vorschläge der Hartz-Kommission grundsätzlich gute Ansätze.
Es ist in diesem Zusammenhang eindeutig, dass eine Gesellschaft und eine Wirtschaft,
die sich in schwierigen Umbrüchen befinden, auch eine Politik der Reform des
Sozialstaates erforderlich machen, damit keine Krise des Sozialstaates entsteht.
Daher wird an das Wort des Rates der Evangelischen Kirche und der Deutschen
Bischofskonferenz "Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit", erinnert,
in der es heisst: "Die Bevölkerung ist bereit, notwendige Einsparungen mitzutragen,
wenn sie sieht, und davon ausgehen kann, dass die Lasten und die Leistungen
gerecht verteilt sind und dabei die Gesamtheit der Solidargemeinschaft erfasst
wird."
München im Juli 2002 |