| Rede zum Arbeitnehmertag in Berlin
13.04.02 Müggelsee |
Einführungsstatement der neuen Bundesvorsitzenden
des BVEA Brunhild Bald zum Arbeitnehmertag in Berlin. |
Liebe Freundinnen und Freunde aus der Evangelischen Arbeitnehmerarbeit, liebe
Gäste, sehr geehrte Damen und Herren,
Ich freue mich, dass ihr alle unserem Ruf gefolgt seid. Der Landesverband
BB hat für diesen Anlass uns eine schöne Herberge und eine schöne Gegend ausgesucht.
Schon gestern haben wir die Möglichkeit gehabt, uns und Berlin ein wenig kennenzulernen.
Sicherlich kennen noch nicht alle unseren im Februar neu gewählten Vorstand
- ich möchte ihn euch vorstellen:
| Stellv. Werner Künkler |
NRW |
| Hans Joachim Bieletzki |
Berlin-Brandenburg |
| Günter Freudenberg |
Braunschweig |
| Wolfgang Heintze |
Baden Schatzmeister |
| Eva Kramer |
Rakü Hamburg |
| Pf. Ekk. Herrmann |
Bayern |
Der Großrechner, der die Schnittstellen alle verwaltet, ist der GF
in Berlin, Matthias Gehlhar, mit seinen Schaltstellen im Büro: Anneliese
Nippe, Heike Schenk, Elke Helmer und ...
Unser ganz besonderer Dank gilt heute ihnen und dem Landesverband Berlin-Brandenburg
für die Vorbereitung dieser Veranstaltung. Sicherlich ist Berlin ein magischer
Anziehungspunkt, moderne Architektur - neues Machtzentrum Deutschlands - das
konnte, wer gestern die Stadtrundfahrt mitgemacht hat - deutlich sehen.
Man spürt etwas von dem alten historischen Glanz und auch vom neuen Aufbruch.
Wir befinden uns hier in einer Stadt, die sich ständig verändert,
und somit vielleicht auch als Symbol für mögliche Erneuerungen gesehen
werden kann - ohne dass die Spuren der Vergangenheit ausgelöscht werden müssen.
Sie begleiten uns mahnend. (Nationalsozialismus - preußisch-deutscher Militarismus)
und fordernd uns aber auch. Wir können hier hautnah spüren, dass die früheren
zwei Staaten wieder vereint sind und zusammenwachsen. Ganz besonders an diesem
Ort, an dem wir uns befinden. An diesem Zusammenwachsen wollen und müssen auch
wir uns aktiv beteiligen. Viele Mauern gilt es noch abzutragen - mittlerweile
wissen wir auch, dass dies nicht so schnell geht, wie sich das manche vor 10
Jahren vorgestellt haben.
Nun zu unserer Veranstaltung:
Ich begrüsse ganz herzlich Herrn Fenner (Vorstandsvorsitzender vom Johannisstift),
der im Namen von Bischof Dr. Wolfgang Huber ein Grußwort an uns
richten wird.
Des Weiteren freue ich mich, dass der Vorsitzende der ACA, der Arbeitsgemeinschaft
Christlicher Arbeitnehmerorganisationen in der BRD, Karl Nothof, zu uns
gekommen ist, um das erste Impulsreferat zum Tagungsthema zu halten, und
somit ein weiteres Zeichen setzt, aus dem ersichtlich ist, wie gut unsere partnerschaftliche
Zusammenarbeit ist. Schon hier ein herzliches Dankeschön an ihn.
Auch begrüsse ich sehr herzlich Herrn Prof. Dr. Klusen, den Vorstandsvorsitzenden
der Techniker Krankenkassen und den Kollegen Jürgen Sendler, aus der Abteilung
Sozialpolitik des DGB. Beide werden die weiteren Referate halten und uns fachlich
und inhaltlich die Probleme des Gesundheitswesens verdeutlichen.
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Liebe Freundinnen und Freunde des BVEA,
weite Wege habt ihr in Angriff genommen, um an diesem 3. Arbeitnehmertag
unserer Dachorganisation teilzunehmen.
So mancher wird sich fragen, was dieser Dachverband eigentlich tut, soll oder
will?
Die Mitglieder des BVEA sind derzeit 20 Landesverbände, aus denen ihr
alle hierher gekommen seid. Diese LV haben die Möglichkeit durch Entschließungen,
in denen sie eure/unsere Brennpunkte schildern, diese an uns weiterzugeben.
Kurz gesagt: Eure Probleme möchten wir haben!
Unsere Aufgabe besteht dann darin, alle unsere Kontakte in den Entscheidungsgremien
von Politik - Gesellschaft und Kirche zu nutzen, um mit Nachdruck auf eben diese
Probleme aus unserer gemeinsamen Sicht aufmerksam zu machen und Vorschläge für
eine sozial gerechte Regelung zu machen.
Dies ist aber nicht als Einbahnstrasse zu verstehen, sondern auch der Bundesverband
macht sich bemerkbar bei den LV mit erarbeiteten Papieren aus Arbeitsgruppen
zu aktuellen Problemfeldern.
Die Basis für unser gemeinsames Handeln ist unsere christliche Wertvorstellung
- jene Ideale - Prägungen des Zusammenlebens: Es geht um Begriffe wie:
Solidarität, für einen anderen da sein, Menschenwürde, Frieden - oder anders
konkret: die menschliche Wärme vermitteln, unsere Rituale des Zusammenlebens,
das Vertrauen zueinander, d.h. aber, dass wir in der anonymen Welt der heutigen
Gesellschaft soziale Zusammenhänge anstreben, die den Einzelnen, die Entfaltung
seiner individuellen Gestalt achtet.
Wir streben daher danach, dass der/die Einzelne nicht als Objekt von Funktionen
und Strukturen in der Arbeitswelt untergeht.
Daran zu arbeiten heisst: Ein langfristiges Bohren dicker Bretter - ein wenig
davon haben wir uns heute am Müggelsee vorgenommen.
Wir sind hier, um für eines der wichtigen sozialen und ökonomischen Problemfelder
unseres Landes eine Antwort zu finden. Die Zukunft des Sozialsystems .
Es ist krank und zwar an Haupt und Gliedern! Wir wollen uns heute hier um
einen wesentlichen Teilbereich kümmern - die Reform des Krankenkassensystems.
Locker gesagt, es ist marode!
Wie konnte das geschehen - sind alle unsere Experten in Verbänden, den Parteien
in den Ministerien und in der Politik unfähig - oder haben sie leichtsinnig
alles zu schanden kommen lassen?
Über deren Fähigkeiten oder Unfähigkeiten wollen wir heute nicht urteilen...
Aber zurück zur Sache.
Das Sozialsystem in dieser Art ist eigentlich in den 50iger Jahren entworfen
worden, und da lagen viele Dinge völlig anders. Es gab einen großen ökonomischen
dauerhaften Aufschwung mit grossen Wachstumsraten - alte Industrien wurden modernisiert,
Innovationen konnten leicht finanziert werden, es gab unendlich viel zu tun,
die zerstörten Städte wurden wieder aufgebaut, die Infrastruktur wiederhergestellt.
Jede Hand wurde gebraucht, es gab einen Mangel an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern,
so dass wir damals die Gastarbeiter eingeladen haben zu uns zu kommen.
Also: Es gab Vollbeschäftigung, hohe, ganz hohe Wachstumsraten des Bruttosozialprodukts
und eine demografische Bevölkerungsverteilung, die eine Spitze hatte und nahezu
gleichmäßig sich nach unten wie eine Tanne ausweitete. Nahezu eine ideale Verteilung
der Altersgruppen, der Beschäftigten und der Rentner - wenn wir mal von den
Einbrüchen der Kriegsjahrgänge absehen.
In dieser Situation wurden die wesentlichen Bedingungen für unser heutiges Sozialsystem
festgelegt. Niedrige Beiträge waren möglich, weil fast zwei Drittel der Bevölkerung
in Lohn und Arbeit standen, weniger Rentner kamen mit einer geringen Versorgung
aus.
Noch waren die Jahrgänge der Jugendlichen groß, doch schon bald zeigte der Pillenknick
seine ersten Auswirkungen.
So wie dies ein Einbruch war, folgten bald danach viele andere.
Unter anderem hatten die dann folgenden Fortschritte auch ihre Konsequenzen.
Der Ausbau und die enorme Modernisierung durch die Forschung in der Medizin
- dadurch völlig neue, teure Geräte wie z. B. die Computertomografen -Kernspintomografen
- Sonografie und Untersuchungen dazu, die wir uns heute gar nicht mehr
wegdenken können - neue Medikamente, flächendeckende Versorgung durch Ärzt/Innen,
vielfacher Ausbau der Fachkliniken, Krankenhäusern und Rehakliniken, wer möchte
heute noch in ein Krankenhaus gehen, wo die Toiletten und Duschen nicht im Zimmer
sind - die Verbesserung der gesamten medizinischen Versorgung - besonders auch
der notfallmedizinischen Versorgung - dies alles führte dazu, dass die Menschen
länger leben und in ganz anderem Maße als früher das Gesundheitswesen in Anspruch
nehmen.
Eine zweite wichtige Veränderung im Wandel der Zeiten liegt in der Qualität
der Arbeit. Während damals nach dem Krieg es ja keine Ausnahme war, wenn man
50 und mehr Stunden wöchentlich arbeitete, natürlich den ganzen Freitag und
selbstverständlich auch am Samstag bis abends. Sieht man, was in der dazwischen
liegenden Zeit die gewerkschaftliche Arbeit für Früchte getragen hat.
Welche Fortschritte! Heute kaum noch vorstellbar, unter welchen Verhältnissen
wir damals gelebt hatten.
Damit haben wir, liebe Freundinnen und Freunde, zwei ganz wichtige Komponenten
genannt, die auf die Probleme im Gesundheitswesen und den Bedingungen in den
Krankenkassen nachhaltig einwirken.
Eine dritte Komponente für die angesprochene Problemstruktur hängt mit den
Beschäftigen zusammen. Damals bestand Vollbeschäftigung, heute haben wir seit
zwei Jahrzehnten eine sogenannte strukturelle Arbeitslosigkeit. Seit den 80iger
Jahren ist die Zahl der Arbeitslosen niemals unter zwei Millionen gesunken.
In diesem Sommer werden es wohl, positiv gedacht, immer noch dreieinhalb Millionen
sein.
Zu Beginn dieses Jahrhunderts, also nach 2000, bestehen demnach objektiv
ganz andere Bedingungen als zu der Zeit, als das Sozialsystem entworfen wurde.
Nicht nur die empirischen Daten sind verändert und sehen grundlegend anders
aus. Auch die Werte sind anders zu verstehen.
Z.B. Solidarität - dieser ethische Wert verbindet uns alle und ist eine Gemeinsamkeit,
die wir zudem auch aus dem Verständnis unseres Glaubens begreifen.
Damals wurde noch ein anderer Begriff geprägt, der uns bis heute umtreibt und
mit dem wir, der BVEA, uns auch in diesem Jahr noch intensiv beschäftigen werden.
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Der Generationenvertrag.
Denn damals war das Vermögen der Rentenkassen und das Vermögen der Krankenkassen
im Krieg verschleudert worden. Nun musste die arbeitende junge Generation für
die Alten das Geld einzahlen, damit die Alten versorgt waren.
Also - was bedeutete solidarisch sein in der Mitte der 50iger Jahre? Jeder
stand in Lohn und Arbeit, auch ein großer Teil der Frauen. Die Zahl der Kinder
pro Familie betrug knapp drei. Fast alle begannen mit 14 Jahren zu arbeiten,
man arbeitete selbstverständlich bis 66 oder 67 Jahren - wenn man hinschaut,
gab es eigentlich nur wenige, die solidarisch von der Gemeinschaft getragen
werden mussten.
Und heute?
Wir haben zu großen Teilen ganz andere Verhältnisse. Die Menschen arbeiten
wesentlich weniger als damals, die Kinderzahl pro Familie ist auf etwa 1, 2
gesunken, was heisst Familie: Mehr als ein Drittel der Kinder wächst bei Alleinerziehenden
auf.
In München sind 51 % der Haushalte Singlehaushalte. Über die Zahl der Arbeitslosen
muss ich ja hier nichts mehr sagen. Das durchschnittliche Rentenalter liegt
bei 59 Jahren - usw. usw. ...
Solidarisch sein - heute - ist etwas ganz anderes als früher.
Diejenigen, die haben - also die, die Arbeit haben, die Vermögen haben, die
Gesundheit haben - sind ganz anders aufgefordert, für die anderen mit einzustehen.
Allein das sagt uns schon, dass wir den Begriff der Solidarität aus unserer
Jugendzeit nicht einfach auf die Gegenwart übertragen können.
Hier sind wir gefordert, weiter nachzudenken und uns ein sicheres Fundament
zu geben für diesen Wert, auf den wir nicht verzichten wollen und können.
Ich hoffe, dass die heutigen Referate und unsere Gespräche weiterhelfen, vielleicht
sogar Gewissheit geben, wie wir heute solidarisches Handeln fordern, fördern
oder einfordern können.
Wir müssen z. B. auch beachten, dass wir die Solidarität mit der Jugend nicht
aufkündigen dürfen und auch gar nicht aufkündigen können. Wir haben im letzten
Jahrzehnt schon auf Kosten der jüngeren Generation gelebt, die mit diesen Lasten
sich schon ihr Leben lang plagen wird. Können wir das verantworten?
Solidarisch sein ist heute nicht so einfach. Auch wenn wir uns in der Evangelischen
Arbeitnehmerschaft einig sind - es ist nicht so einfach!
Denn dagegen stehen organisierte Interessen, Verwaltungsstrukturen und gesetzliche
Regelungen und vieles mehr.
Deshalb ist unser Bemühen um Solidarität und Gerechtigkeit um so wichtiger.
Eine grosse Stütze für uns ist dabei das gemeinsame Wort der Kirchen "Für eine
Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit". Die EKD und die Deutsche Bischofskonferenz
haben mit aller Deutlichkeit festgestellt, dass die Menschen in unserem Land
unabhängig von ihrer Einkommenssituation Zugang zur Gesundheitsfürsorge haben
müssen. Gerade in diesem Bereich sind Solidarität und Gerechtigkeit oberste
Maxime. Und wenn wir in unserem Sinn etwas bewirken wollen, brauchen wir starke
Verbündete.
Die bisherigen Versuche, unser Krankenkassensystem auf neue zukunftsorientierte
Füße zu stellen, sind teilweise kläglich gescheitert. Besonders ärgerlich erscheint
uns, dass von Reform gesprochen wird, wo Tagespolitik gemacht wird, wo Einzelinteressen
verfolgt werden, wo keine Konzeption unter Berücksichtigung gemeinschaftlicher
Bedürfnisse entworfen wird.
Wir schließen daraus, dass es sich nicht um einen politischen Streit um
alternative Konzepte handelt, sondern dass es um Macht geht, Macht der Pharma-Industrie,
Ärzte- und Apothekerschaft und auch um Macht der Krankenkassen.
Dem Beobachter wird schnell deutlich, dass diejenigen, um die es eigentlich
geht, nämlich die Patienten und die Versicherten, kaum eine Stimme haben. Dazu
liegt bereits eine Entschließung mit unseren Forderungen aus der Delegiertenkonferenz
vor.
Wir möchten, auch mit dieser Tagung deutlich machen, dass es genau hierum geht.
Die Menschen, in ohnehin schwierigen Zeiten der Krankheit und im
Alter, nicht ungeschützt und unterversorgt allein zu lassen. Das kann
sich ein Staat, der sich ein sozialer nennt, nicht leisten! Dazu können wir
nicht schweigen!
Wir hoffen, dass die Vorschläge und Beiträge der Referenten und die von euch
Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommen, helfen, aus der gegenwärtigen Sackgasse
heraus zu kommen.
Dafür haben wir eine Entschließung vorbereitet, die natürlich noch so aktualisiert
werden kann, wie unser heutiger Tag verläuft. Dabei haben wir die für uns wichtigen
Prinzipien mit beachtet. Ich weise hier schon einmal darauf hin:
Der BVEA ist sich bewusst, dass aufgrund der demografischen Entwicklung und
der Jahrzehnte alten strukturellen Arbeitslosigkeit grosse Veränderungen erforderlich
sind. Doch ich muss auch darauf hinweisen:
Die Reformen werden gewohnte Regelungen und bekannte Verfahren verändern, die
nicht mit ablehnendem Unmut aufgenommen werden, wenn die Werte der Solidarität
und Gerechtigkeit beachtet werden.
Denn der soziale Frieden in der Gesellschaft ist ein hohes Gut.
Darüber steht die Diskussion am Nachmittag an. Ich will den Einzelpunkten
nicht vorgreifen - am Herzen liegt mir, dass die Selbstverantwortung und
die Autonomie des Einzelnen nicht unter die Räder der Bürokratie und der mächtigen
ökonomischen Interessen gerät.
Das müssen wir ins Zentrum unserer Forderungen stellen.
Und nun noch etwas zu einem weiteren aktuellen Brennpunkt:
Der 1. Mai steht vor der Tür - es wird landauf landab gestreikt - wir
kennen die Rituale - wir kennen die Machtgebärden der Gewerkschaften und der
Arbeitgeber - sie lassen jetzt die Muskeln spielen, warum ist das nötig
- sie nennen sich Tarifpartner!
Und in der Realität ist dieses System des Ausgleichs seit einem halben Jahrhundert
entwickelt, und von uns allen akzeptiert.
Warum müssen sie dann das Spiel immer wiederholen... mit der
Einigung am Ende dann - nach der dritten Nachtsitzung, wo jetzt mit Vernunft
schon jeder über den kommenden Kompromiss spricht. Warum denken wir auch hier
nicht über neue Formen nach, wo Vernunft und Rationalität ihre Rolle spielen?
Ein guter Anstoß dazu könnte ein anderes Modell geben; die Einrichtung des Runden
Tisches hat doch Vorteile des offenen Gespräches und des Verhandelns. Warum
nicht davon lernen? Warum nicht mal was neues versuchen, wenn es um Tarife und
Arbeitsbedingungen geht?
Die Wirtschaft hat Strukturprobleme - Porsche oder BMW ist nicht dasselbe wie
die Klempnerei an der Ecke. Das ist ein weites Feld.
Nicht nur wegen des 1. Mais spreche ich mich aus für eine gerechte Lohnerhöhung
mit der notwendigen regionalen Differenzierung und unter Berücksichtigung der
einzelnen Sparten im Metallgewerbe.
Aber nun doch zum 1. Mai: Wir leben unter den Auswirkungen der Globalisierung
und des massiven Strukturwandels. Daher ist allgemein zu fordern, wir müssen
Globalisierung gerecht gestalten. D.h.: wenn globale Wirtschaft verantwortlich
gestaltet werden muss, ist auch die nationale Wirtschaft verantwortlich zu gestalten.
Daneben gehört zum 1.Mai auch, dass wir die Verantwortung internationaler Solidarität
nicht nur ökonomisch und unter den dazu gehörigen sozialen Bedingungen verstehen
- die Verantwortung internationaler Solidarität verlangt auch, dass wir
den Frieden in der Welt nicht aus den Augen verlieren.
Ich empfinde es als bitter, täglich in den Medien von Kriegslärm nicht nur aus
dem nahen Osten zu hören. Diesem Gemetzel muss endlich ein Ende gemacht werden.
Und so füge ich zum Aufruf für den 1.Mai 2002 einen kleinen Gedanken der
Hoffnung an, dass der 1. Mai 2003 im Zeichen eines gerechten Friedens gefeiert
werden kann.
Liebe Freunde lasst uns trotzdem mit Hoffnung und guten Gedanken an diesen
Tag gehen, ich wünsche uns allen ein gutes Gelingen!
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Bundesanstalt für Arbeit
Zusammen mit den katholischen Kolleginnen und Kollegen haben wir seit Jahren
erfolgreich bei den Sozialwahlen gearbeitet, wir stellen mehrere hundert Sozial-
und Arbeitsrichter. Dies ist die wichtige Ebene, auf der wir für unsere Kirchen
die Interessenvertretung der Kolleginnen und Kollegen übernehmen wollen und
auch können.
Ohne es an dieser Stelle zu vertiefen: Die Reform der Bundesanstalt für Arbeit
steht an. Die entsprechende Gesetzesnovellierung wird vorbereitet. Unter den
vielen Fragen kommt es uns auf eine kleine, aber sehr wichtige Einzelfrage an.
Vielleicht können wir hier die Idee mit einbringen, dass ein anderes Beteiligungs-
und Repräsentativsystem eingeführt wird, nämlich die Wahl von Vertretern, nicht
die Delegation oder Berufung. Die Wahl könnte in Verbindung mit den Beiträgen
zur Arbeitslosenversicherung durchgeführt werden.
Bislang ist der Teil im Bereich der Sozialversicherung, bei der es keine freien
Wahlen der Kontrollorgane gibt, die Arbeitslosenversicherung. Ich denke, dass
das dort angewandte Delegationsprinzip deutliche Schwächen offenbart hat. Es
ist auch undemokratisch. Deshalb ist auch im Bereich der Arbeitslosenversicherung
so etwas wie eine freie Urwahl anzustreben. Dabei ist ernsthaft zu prüfen, dass
auch andere gesellschaftliche Organisationen, als die etablierten Gewerkschaften
und Unternehmer, das Wahlrecht und die Chance zur Beteiligung erhalten. Die
Bundesanstalt für Arbeit muss als sozialstaatliche Institution demokratisch
geleitet und für die Politik öffentlich kontrollierbar sein. Für diese Idee,
für diese Wahl, sollten wir Mitstreiter gewinnen; aber auch dafür sorgen, dass
sie in den Fraktionen und Parteien bekannt wird - und zwar baldmöglichst. Hier
besteht Handlungsbedarf für uns.
Nun wünsche ich euch viel Spaß und uns allen interessante Referate und noch
ein paar Stunden in dieser dynamischen Stadt.
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