Zweiklassen - Medizin beklagt
Wir müssen uns gegen eine Zweiklassen-Medizin und gegen die
Pläne der Bundestagsparteien, die paritätische Finanzierung der Beiträge durch
Arbeitnehmer und Arbeitgeber auszuhöhlen, wehren. Es bleibt eine Reform des
Risikostrukturausgleichs, eine stärkere Kostentransparenz, eine verpflichtende
Weiterbildung für Ärzte und die Einbeziehung aller Einkommen in die Finanzierung
der Krankenkassen.
Heftige Kritik übte der ACA-Bundesvorsitzende an der Politik.
Der Risikostrukturausgleich in Kombination mit der Einführung des Kassenwechsels
und der Öffnung der Betriebskrankenkassen führe zu einer rasanten Entsolidarisierung
bei den Krankenkassen. Allein im Jahr 2000 hätten 1,2 Millionen Versicherte
aus den Versorgungskassen in die Betriebskrankenkassen gewechselt. Lediglich
740 chronisch Kranke gehörten zu den Wechslern. Auch im Jahre 2001 hätten
500.000 Versicherte zu den Privaten Krankenkassen gewechselt. Auch hier handelt
es sich fast ausschließlich um junge, gesunde Gutverdienende, die sich für
etwa 75 Euro weniger Beitrag aus der solidarischen gesetzlichen Krankenversicherung
verabschieden. In der GKV bleiben die schlechter Verdienenden, chronisch Kranken
und sozial Schwachen. |
Konstruktionsfehler im Risikostrukturausgleich
Hinzu kommt, dass der Risikostrukturausgleich, den die christlich-liberale
Bundesregierung 1996 eingeführt hatte, selbst zur Benachteiligung der gesetzlichen
Krankenkassen führt. Inzwischen werden jährlich 13 Millionen Euro zwischen
den Krankenkassen umverteilt. Ursache ist ein Konstruktionsfehler. Denn auf
der Leistungsseite werden nicht die tatsächlichen, sondern jeweils die "durchschnittlichen"
Behandlungskosten ausgeglichen. So wurden beispielsweise für alle 40-jährigen
Männer in den gesetzlichen Krankenkassen 1024 Euro (1999) im Durchschnitt
ausgegeben. Dieser Durchschnittsbetrag, der für jede Altersgruppe, Geschlecht,
Familienangehörigen etc., errechnet wird, wird den einzelnen Krankenkassen
für alle 40-jährigen gutgeschrieben. So erhalten die privaten Krankenkassen,
die vorwiegend die 40-jährigen gut Verdienenden und Gesunden vorwiegend als
Versicherte haben, ebenfalls diesen Durchschnittsbetrag (RSA-Gutschrift),
obwohl sie so gut wie keine Krankenleistungen finanzieren mussten. Diesen
Konstruktionsfehler haben sich in jüngster Zeit viele neue kleine Krankenkassen
zunutze gemacht. Die "Gesundheits-"-Krankenkassen lassen sich aus dem Risikostrukturausgleich
subventionieren. |
Politik bedient sich der Kassen
"Wir brauchen nicht mehr Geld ins Gesundheitssystem zu pumpen,
sondern es muss besser verteilt werden." Die GKV-Leistungen haben sich parallel
zum Bruttoinlandsprodukt entwickelt. Zwar haben sich die absoluten Kosten
erhöht, doch seit den siebziger Jahren sind die Kosten konstant bei etwa 5,5
bis 5,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes geblieben. Gleichzeitig verliert
der Faktor Arbeit als Grundlage der GKV-Beitragsschöpfung an Bedeutung. Die
Lohnquote ist seit 1982 um 8,7 Prozent gesunken, was zur Folge hat, dass weniger
Beiträge gezahlt wurden und werden.
Weiterer Aderlass ist die Politik. So sanierte die Bundesregierung
1995 ihren Haushalt, indem sie die Krankenkassenbeiträge der Arbeitslosen
um fünf Milliarden Mark pro Jahr kürzte. Mittlerweile wurden so der GKV 35
Milliarden Mark entzogen. Auch die jetzige Bundesregierung hat mit der Absenkung
des Rentenniveaus ihren Haushalt um 300 Millionen Mark entlastet.
KAB Info, ge |