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Siehe, ich lege euch vor
den Weg zum Leben und den Weg zum Tode. Jeremia 21, 8
Der Prophet Jeremia musste in bitterster Zeit in Juda
predigen. Die Stadt Jerusalem wurde von den Babyloniern belagert. Nebukadnezar
wollte sie wieder in die Botmäßigkeit zurückführen, nachdem sich seine Obersten
mit dem König an der Spitze gegen Babel empört und den Tribut verweigert hatten.
Der Prophet mahnt zur Unterwerfung, doch die ägyptenfreundliche Partei am
Hofe des Königs erhoffte sich Hilfe aus Ägypten und damit Befreiung von der
babylonischen Herrschaft. Der Prophet mahnt, nicht der Kampf kann alles entscheiden,
sondern die Einsicht und die Mäßigung.
Wir haben heute in der Welt
ebenfalls eine ganz schwierige Zeit. Eine Terrorwelle ohnegleichen hat in
den USA zu einem Anschlag geführt, dessen Furchtbarkeit und Grausamkeit kaum
überschätzt werden kann. Menschen wurden sinnlos geopfert um eines Machtanspruches
willen. Nun erfolgte der Gegenschlag und die katholische Bischofskonferenz
in den USA hat diesen Kampf zum "gerechten Krieg" erklärt. Frage: Gibt es
dies überhaupt? In unserer evangelischen Tradition kennen wir auch diesen
Ausdruck: Luther hat einmal erklärt: "Licet iustum bellum gerere", "Es ist
erlaubt einen gerechten Krieg zu führen". Aber kann ein Krieg überhaupt gerecht
sein? Vor Jahrhunderten gab es wirklich Überfallkriege, die nur Raub oder
Unterdrückung zum Ziel hatten. Sich hier zu wehren, das war wohl ein "gerechter
Krieg". Aber passt dies noch in unsere Tage?
Nach den beiden Weltkriegen
hat man erklärt, dass ein Krieg nie gerecht sein kann. Auch der reine Defensivkrieg
schafft Unrecht und die heutigen Möglichkeiten der Waffen schaffen Zerstörungen
in früher ungeahntem Ausmaß, von den unschuldigen Menschen, die darunter zu
leiden haben, ganz zu schweigen. Luther würde diesen Satz in unserer Zeit
wohl nicht mehr schreiben! |
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Doch trotz allem hat es zu
allen Zeiten Kriege gegeben, auch nach dem zweiten Weltkrieg, der so viel
Unheil und Leid gebracht hat. Auch war das Entstehen der heutigen Völker und
Staaten stets von Kriegen begleitet. Deshalb müssen wir auch sagen: Das Werden
eines Volkes, eines Staates, war wohl stets auch mit Schuld verbunden. Das
WIR-Gefühl eines Volkes entstand durch eine gemeinsame Geschichte, durch gemeinsames
Schicksal und wohl auch durch gemeinsame Schuld.
Doch leider setzt sich das Kriegsgeschehen, scheinbar legitimiert, fort. Hier
wird vom "Gerechten Krieg "gesprochen, dort vom "Heiligen Krieg" (Dschihad).
Der Begriff hat seine Wurzeln im Buch der Richter im Alten Testament. Hier
werden Feldherrn ("Richter") von Gott berufen um das Volk aus der Bedrückung
durch andere Völker, besonders die Philister, zu befreien. - Heute aber ist
Krieg eher Vernichtung als Befreiung eines Volkes, da kann man von "gerecht"
oder "heilig" beim besten Willen nicht mehr sprechen. Krieg ist vielmehr immer
ein Übel, das Ungerechtigkeit und Schuld schafft.
Trotzdem haben wir uns zu
fragen: Muss er eventuell doch auch einmal sein? Heute geht es um die Bekämpfung
des Terrorismus. Ist das Krieg im herkömmlichen Sinn? Wir müssen sagen: Wenn
er sich gegen ein ganzes Volk oder Völker richtet, dann ist er es. Geht es
nur um Terrorbekämpfung, dann ist dies kein Krieg, aber es besteht immer die
Gefahr, dass mit einer notwendigen Aufgabe auch andere Ziele verfolgt werden.
Dann kann die Bekämpfung zum Krieg werden, der Gewalt, Unrecht und Schuld
schafft.
Uns fehlen wohl die Informationen
und Kenntnisse der tatsächlichen Verhältnisse z.B. in Afghanistan. Wir können
endgültig nicht beurteilen, was hier oder auf anderen "Kriegsschauplätzen"
geschieht. Aber als Christen müssen wir uns bewusst sein, dass hier auch schuldhaftes
Handeln von beiden Seiten der "Kriegsparteien" geschieht. |
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Schuld ist da, aber
Schuld kann auch neue Schuld nach sich ziehen. Wir können eigentlich nur darum
beten, dass alle Auseinandersetzungen möglichst friedlich ausgetragen werden
und "heiße" Kriege einmal endgültig der Vergangenheit angehören. Doch ist
dies Utopie oder erreichbar? Wird es wirklich einmal möglich sein oder ist
der ewige Friede unter den Menschen letztlich nie möglich? Kriege wurden geführt
solange es Menschen auf dieser Erde gibt. Aber irgendwann kann dieser durch
entsprechende Waffen so weit gehen, dass der Bestand der Menschheit in Frage
gestellt ist. Eigentlich sind wir heute schon so weit, würden alle Waffen,
die vorhanden sind, eingesetzt, dann könnte dies das Ende der Erde und der
Menschheit sein...
Im 2. Petrusbrief 3, 10 lesen
wir Folgendes: "Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb in der Nacht,
an welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber
werden vor Hitze schmelzen und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden
verbrennen." - Es ist dies das alte Bild vom "Weltenbrand". Wir könnten uns
heute derartiges vorstellen, manche deuten auch diesen Vers so, dass die Welt
durch Atom oder Ähnliches einmal untergehen wird. So sollte man die Bibel
nicht aktualisieren, aber wir sollten derartige Sätze doch zur Warnung und
zum Nachdenken nehmen. Krieg und seine Folgen sind immer schlimm für die Menschen,
nicht nur für die, die es direkt betrifft, sondern im Letzten für die Gesamtmenschheit.
"Gerechte Kriege" sind zur Utopie geworden. Bitten wir um Vernunft in unserer
Zeit, sonst wird das Ende wirklich nahe sein...
Doch zum Schluss ein Trost:
Dieses Erdengeschehen bestimmen nicht wir Menschen allein, Gott ist es, der
in allem führt und leitet, und wir dürfen gewiss sein, dass er es so weit
nicht kommen lässt. Noch nie ist ein Baum bis in den Himmel gewachsen und
dies wird auch in unseren Tagen nicht geschehen. Haben wir Vertrauen, wir
werden bestimmt gut geführt werden!
Ekkehard Herrmann, Bundesverbandspräses
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