| Vom 1. bis 4. November 2001 fand
im Centre de Glay bei Montbéliard / Frankreich das dritte Europäische Frauentreffen
statt. Es trafen sich Frauen mit unterschiedlichsten kulturellen und religiösen
Hintergründen, die bereits in ihren Heimatländern in lokalen, nationalen oder
internationalen Aktionsgruppen tätig sind, um sich zum Thema "Die Rolle der
Frauen beim Aufbau einer multikulturellen Gesellschaft in Europa" kundig zu
machen und sich gegenseitig auszutauschen. Eingeladen zu dieser Veranstaltung
hatte das Centre de Glay, die Equipes Ouvrière Protestant.
Angereist waren über 50 Frauen aus Frankreich, Deutschland, Belgien, Estland,
Finnland, Litauen, Polen, der Schweiz und Tschechien. Unter ihnen auch Frauen
der EAN Baden sowie der EOP Colmar. Schon auf Grund dieser Vielfalt machte
Yvette Boilloux, als Präsidentin des Centre de Glay, in ihrer Begrüßung deutlich,
dass es wichtig sei, eine gemeinsame Sprache zu finden um dadurch neue Freundschaften
für eine gerechtere Gesellschaft zu bilden. |
Als Dolmetscher fungierte Gérald Machabert, Pfarrer und Organisator
des Centre de Glay. Weitere Verantwortliche der Tagung waren Corine Lanoir
von der Gruppe "International Bible Worker" und Anne Loux von der urban industrial
mission.
In einer ersten Vorstellungsrunde schilderten Vertreterinnen aus den einzelnen
Ländern die dort herrschenden Bedingungen und ihre eigene Situation, die oftmals
geprägt war durch Flucht und Migration. Es wurde sehr schnell deutlich, dass
insbesondere die Migrantinnen unter der Situation in den einzelnen Ländern
zu leiden haben; aufgewachsen und erzogen in anderen Kulturkreisen und Religionen
fanden sie im Aufnahmeland, schon allein der meist fehlenden Sprachkenntnisse
wegen, kaum Möglichkeiten, sich zu integrieren und somit auch stabilisierend
für ihr eigenes Leben und das ihrer Angehörigen zu wirken.
| Solidaritätsadresse an die
Frauen in Afghanistan |
In der nächsten Ausspracherunde am Abend standen dann erneut
frauenspezifische Themen auf der Tagesordnung. So wurde in den Gruppen intensiv
über Erziehungs- und Gesundheitsfragen gesprochen, das Thema "Frauen im Islam"
wurde ausführlich behandelt ebenso wie das Rollenverständnis von Frauen, die
in der Fabrik arbeiten, aber von denen erwartet wird, dass ihre eigentliche
Rolle im häuslichen Bereich zu spielen hat.
Aufgrund eines Arbeitspapiers setzten sich dann die Teilnehmerinnen
anhand der drei Themenschwerpunkte "Mobilität", "Verstädterung" und "Ausbildung"
ganz intensiv mit der eigenen Situation vor Ort und in ihren jeweiligen Herkunftsländern
auseinander. Es war einhellige Meinung, dass eine Gleichberechtigung der Frauen
nirgends gegeben ist, aber alle hoffen, dass sich dies vielleicht mit dem
Zusammenwachsen der EU ändern könnte.
Angesprochen wurde in den Arbeitsgruppen auch die sprachlichen Unterschiede
in den Ländern sowie die jeweiligen Arbeitsgesetze, die es auch nicht einfach
machen, sich zu integrieren. Hingewiesen wurde in diesem Zusammenhang auf
den oft spürbaren Rassismus sowie auf die Vorgaben der Betriebe insbesondere
an das Alter, die Effektivität sowie die Verfügbarkeit der Arbeiterinnen.
In der anschließenden Diskussion mit der Europa-Abgeordneten Marie Hélène
Gillig aus Belfort ging es dann hautsächlich um Fragen nach einer europäischen
Staatsbürgerschaft, nach der Umsetzung von Beschlüssen, die in der EU getroffen
werden, sowie um die Rolle der Medien. Hier wurde seitens einer Teilnehmerin
darauf hingewiesen, dass die Medien, schon aus ökonomischen Gründen, immer
die Meinung der Mehrheit vertreten müssen. Teilnehmerinnen aus den Ländern,
die zu den Beitrittskandidaten zur EU zählen, erläuterten in dieser Diskussion
die Situation in ihren Ländern nach dem Ende der Sowjetherrschaft.
Zum Abschluss dieser Tagung verabschiedeten die Teilnehmerinnen
eine Solidaritätsadresse an die Frauen und deren Familien in Afghanistan,
in der sie die Einhaltung der Menschenrechte und die Beachtung der Würde dieser
Frauen forderten.
Christina Wagner, EAN Baden |